Studien, welche die sogenannte Niedrigdosis-Hypothese stützen, wurden von unabhängigen Behörden wiederholt als unzuverlässig im Kontext von Risikobewertungen für den Menschen angesehen. Studienergebnisse, die solche Effekte angeblich belegen, konnten bisher von anderen wissenschaftlichen Arbeitsgruppen nicht reproduziert werden. Hingegen ergaben mehrere umfassende Studien, die auch die Frage möglicher Auswirkungen sehr geringer BPA-Dosen auf den Stoffwechsel über mehrere Generationen hinweg untersuchten, keine Hinweise auf solche Effekte. Darüber hinaus zeigen zahlreiche Studien, dass die Höhe der Migration von BPA in Lebensmittel und Getränke, die mit BPA-basierten Materialien in Kontakt kamen, sofern eine solche Migration überhaupt nachgewiesen werden konnte, weit unter den Werten liegt, die von staatlichen Behörden als unbedenklich festgelegt wurden, wie z.B. von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) oder der US-amerikanischen Lebensmittelüberwachungsbehörde Food and Drug Administration (FDA). Solche Expositionen stellen kein Gesundheitsrisiko dar.

Im Januar 2015 „kamen die Experten der EFSA auf Grundlage wissenschaftlicher Kriterien zu dem Schluss, dass die verfügbaren Daten keine Belege dafür liefern, dass BPA im Hinblick auf die untersuchten gesundheitlichen Folgen zu nichtmonotonen Dosis-Wirkungs-Beziehungen [d.h. Niedrigdosis-Effekten] führt“. Dies wird durch das kürzlich veröffentlichte Fazit der EFSA nach einer umfassenden Beurteilung der wissenschaftlichen Belege für nichtmonotone Dosis-Wirkungs-Beziehungen von Stoffen zur Bewertung des Risikos für den Menschen gestützt. Diese wurde von vier staatlichen Behörden aus Frankreich (ANSES), den Niederlanden (RIVM), Österreich (AGES) und Schweden (Karolinska-Institut) durchgeführt und im Mai 2016 veröffentlicht: „...für eine nichtmonotone Dosis-Wirkungs-Beziehung als häufiges Phänomen im Zusammenhang mit Stoffen im Bereich der Lebensmittelsicherheit gibt es derzeit keine Anhaltspunkte.“